27.06.2002, Bochum

Kriminologe Schwind hält "Kriminalitätsangst für ein Konstrukt"

Bochum.(idr). Mehr Sachlichkeit und weniger Panikmache hält Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind in der Debatte um Gewaltverbrechen in Deutschland für angebracht. "Kriminalitätsfurcht ist ein Konstrukt", sagt der ehemalige niedersächsische Justizminister und langjähriger Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Strafvollzug und Kriminalpolitik an der Ruhr-Universität Bochum im Gespräch mit dem Wissenschaftsmagazin "Transfer".

 

So sei die Gefahr, in New York oder Chicago Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, fünf- bis zehnmal größer als in einer deutschen Großstadt. "Trotzdem ist die Kriminalitätsangst in Deutschland genauso groß wie den USA", so Schwind.

 

Der Kriminologe wendet sich gegen Law-and-order-Parolen genauso wie gegen Panikmache. Wie wenig Kriminalitätsstatistiken aussagen, macht er an einem Beispiel fest: Wenn die Statistik weniger Verbrechen ausweist, hängt das auch mit dem Anzeigeverhalten der Bürger zusammen. Je weniger Vertrauen diese in die Polizei haben, desto weniger werden sie anzeigen. Politiker legen die Zahlen hingegen gerne so aus, dass der Rückgang auf ihre politischen Maßnahmen zurück zu führen seien.

 

Schwinds Sicht zu Kriminalitätsstatistiken ist ausführlich in der aktuellen "Transfer"-Ausgabe nachzulesen, die ab sofort in 80 ausgewählten Bahnhofs- und Universitätsbuchhandlungen erhältlich ist. "Transfer" ist das einzige Wissenschaftsmagazin für das ganze Ruhrgebiet, es erscheint sechsmal pro Jahr und wird vom Kommunalverband Ruhrgebiet herausgegeben.

 

Abo-Bestellungen nimmt der Essener Klartext-Verlag entgegen. Telefon: 0201/86206-31 (Christa Scholte), Fax: -22, E-Mail: scholte@klartext-verlag.de.

Pressekontakt: Olaf Kaltenborn, Telefon und Fax: 0234/474075, Telefon: 0234/3228245, E-Mail: LS.Schwind@jura.ruhr-uni-bochum.de

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