30.09.2003, Hamm, Witten, Metropole Ruhr, NRW

Wittener Psychologe erstellt erstes Täterprofil für "Todesengel"

Witten/Hamm.(idr). Was treibt die "Todesengel" an? Und wie lassen sich solche oft spektakulären Patiententötungen durch Klinik-Personal verhindern? Professor Karl Beine, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie an der Uni Witten/Herdecke und Chefarzt des Marien-Hospitals Hamm, hat erstmals ein "Täterprofil" entwickelt.

 

Das Ergebnis seiner systematischen Untersuchung von insgesamt 16 Fällen: Vor allem Männer werden hier zu Tätern. Charakterlich werden sie als überwiegend "selbstunsicher" und als unfähig, Leiden zu ertragen, beschrieben. Auffällig ist auch, dass sie häufig unverordnete Medikamente verabreichen. In ihren Arbeitsfeldern sind sie konfrontiert mit langen und unaufgelösten Konflikten.

 

Mitleid mit leidenden Patienten als Tötungsmotiv, auf das sich Täter immer wieder berufen, scheidet für Beine aus: Die getöteten Patienten befanden sich nicht in ihrer Sterbephase.

 

Als Frühwarnhinweise macht Beine verrohte Sprache und Selbstisolation innerhalb einer Arbeitsgruppe aus. Häufig gaben die Täter auch exakte Prognosen über den Todeszeitpunkt des betroffenen Patienten ab.

 

Hilfreich sei eine Arbeitsatmosphäre, in der das klinische Personal auch "über seine aggressiven Fantasien offen reden kann." Eine solche Kultur der offenen Aussprache sei in Kranken- und Pflegeeinrichtungen bisher jedoch kaum zu erkennen.

Pressekontakt: St. Marien-Hospital, Prof. Dr. Beine, Telefon: 02381/1825-25, -26

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